G. A. Beckmann

G. A. BeckmannIch fühle mich höchst entfremdet von einer Öffentlichkeit, die sich nach einem Design für das Außen richtet, eine Gesellschaft des Scheins, aus der jeglicher Hinweis auf die Zeitlichkeit des Menschen verschwunden ist. Ich halte das für unmoralisch, dass die Sterblichkeit versucht wird mit Design zu überspielen.

Du bist, was du spielst, so scheint die Maxime. An sich kann das sehr unterhaltsam sein. Sich erfinden, sich schaffen, sich fortentwickeln. Aber eben nicht mit der Gewalttätigkeit der Sauberen, der Glattgeleckten. Aseptismus kann keine Antwort auf das Leben sein. Das wird man spätestens erfahren, wenn die »schöne« Hülle die ersten Löcher bekommt, für manche zweifelsohne eine sehr traumatische Erfahrung. Es ist leider zu einfach sich auf einer fremdgesetzten Welterzählung auszuruhen und diese damit unhinterfragt zur Ideologie zu erheben. Es gibt keinen Raum für Kritik und Selbstkritik, weil sich der Anschein der Lückenlosigkeit und Pausenlosigkeit gegeben wird. Es gibt meiner Ansicht nach keine ethische Zukunfstausgestaltung, wenn nicht auch Rückschau in die Vergangenheit und eine Bestandsaufnahme des Jetzt getätigt wird. Die Fehler der Vergangenheit sind aber immer auch nur Fehler aus einer bestimmten Perspektive. Der Sieger schreibt die Geschichte. Der feisteste Idiot schreibt die Geschichte. Seit wann? Mit welchem Recht? Behaupte deinen Fehler, denn das bist schließlich auch du. Mehr hast du nicht zur Verfügung. Behaupte deinen Fehler. Traue dich das Gift des Selbst zu trinken. Tauche in dir, schwimme, spiele. Wer stets nur an Deck des Schiffes bleibt, der wird das Wasser nicht verstehen.

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